Exo Terra Expedition Tansania

Exo Terra Expedition Tansania 2009

Exo Terra im Lebensraum von Lygodactylus williamsi
Die erste Etappe unserer diesjährigen Expedition führt uns, nachdem wir eine kurze Nacht in einem Strandhotel in der Hafenstadt Dar Es Salaam verbracht haben, in die etwa 200 Kilometer westlich gelegene Bezirkshauptstadt Morogoro. Morogoro gehört zu den zehn größten Städten des Landes.

Im südlicher Richtung der Stadt erhebt sich das Uluguru-Gebirge, in dem sich unser erstes Ziel, der Kimboza Forest, einem Wald der Schutzstatus erhalten hat, befindet. Das Uluguru-Gebirge ist eines des wichtigsten Gebiete zur Erhaltung der biologischen Vielfalt in Afrika. In dieser Region befinden sich einige der ältesten Wälder Afrikas. Unser Ziel war, endlich mehr über die Lebensweise des seit ca. einem Jahr regelmäßig importierten "Juwel" unter den Geckos zu erfahren. Nachdem wir 50 km unbefestigte Pisten, vorbei an landwirtschaftlich genutzten Flächen, abgeholzten Bergrücken und viele Dörfer hinter uns gebracht hatten, erreichten wir endlich unser Ziel. Während der holperigen Fahrt sahen wir mehrere Paviane und einen Nilwaran (Varanus niloticus), der mitten auf der Straße saß und sich in aller Ruhe filmen ließ.

Auf einer freien, mit Gras bewachsenen Fläche, schlugen wir unser Zeltlager auf.

Folgende Werte werden für diese Region genannt: von Juni bis Oktober gibt es eine Trockenzeit mit nur zehn bis 27 Millimeter Niederschlag; ab November steigen die Niederschlagsmengen wieder und erreichen im März und April mit bis zu 208 Millimetern ihre Höchstwerte. Die mittlere relative Luftfeuchtigkeit schwankt im Jahresverlauf zwischen 60 und 80 Prozent und die Temperaturen schwanken im Mittel zwischen 19 und 30°C. Das erste was uns auffiel, war die Trockenheit außerhalb des Waldes. Es war Ende der Trockenzeit aber es hatte anscheinend noch nicht geregnet. Die Temperaturen, jetzt Anfang November, lagen am Tag zwischen 30 – 34 °C und nachts um 22 °C.

Im Wald lag die Luftfeuchtigkeit bei ca. 70 Prozent. Das erste Reptil, dass wir zu sehen bekamen war ein Hemidactylus platycephalus. Diesen nachtaktiven Gecko, der etwa 18 cm Länge erreicht, konnten wir an Bäumen aber auch an Häusern außerhalb des Waldes finden. Gleich in der ersten Nacht machten wir mit Taschen- und Kopflampen bewaffnet weitere Entdeckungen. Wir fanden eine giftige grüne Baumschlange (Thelotornis spec.), gut getarnt,der hoch über unseren Köpfen (besonders über meinem) im Gewirr der Pflanzen saß und wohl gerade auf der Jagd nach kleinen Geckos oder Chamäleons war. Das genügend Futter vorhanden war, bestätigte der Fund mehrer Zwergchamäleons (Rhampholeon brevicaudatus), die schlafend in Bodennähe auf dünnen Ästen in ca. 30 – 40 cm Höhe saßen. Eine weitere Schlange (Mehelya spec.) von ca. 60 cm Länge fanden wir an einem kleinen Wasserloch. Diese meist am Boden lebende Schlange ist ungiftig und ernährt sich ebenfalls von Reptilien. Der Höhepunkt dieser ersten Nacht war der Fund eines kleinen Chamäleons mit einem Nasenfortsatz, dass wir bis heute nicht bestimmen konnten. Ein weiteres kleines Chamäleon, dass wir etwa 2,5 Meter über dem Boden auf einem dünnen Ast sitzend fanden, stellte sich später als Jungtier des Lappenchamäleons (Chamäleo dilepis) heraus.

Am nächsten Tag standen wir schon um 6.00 Uhr auf. Die Temperatur war mit 24 °C noch angenehm. Nach dem Frühstück machten wir uns auf die Suche nach weiteren Reptilien und natürlich nach dem hauptsächlichen Grund unseres Besuches, dem türkisblauen Taggecko. Am Waldrand fanden wir zunächst zwei andere Taggeckos der Gattung Lygodactylus, den in Tansania weit verbreiteten Gelbkopf-Taggecko (Lygodactylus luteopicturatus) und den endemischen Uluguru-Taggecko (Lygodactylus ulugurensis). Auf einem flachen Felsen sahen wir ein Paar der scheuen Berg-Agame (Agama montana). Das imposanteste Reptil dieser Region ist zweifellos das Lappenchamäleon (Chamäleo dilepis), von dem wir in der Nacht ja schon ein Jungtier gefunden hatten.

Lygodactylus williamsi auf einem Pandanusblatt

Nachdem wir uns erst den Waldrand vorgenommen hatten, ging es nun tiefer in den Regenwald hinein. Nach langer Suche hatten wir plötzlich unser Ziel vor Augen. Mitten im Wald, auf einem sonnenbeschienenen Schraubenbaum (Pandanus tectorius), funkelte ein türkisfarbener Gecko auf einem dunkelgrünen Blatt. Der Pandanus-Baum entwickelt einen bis etwa 6 Meter hohen Stamm, auf dem eine weit ausladende Blätterkrone mit einem Durchmesser von etwa 5 bis 8 Metern sitzt. Er kann Stelzwurzeln ausbilden, mit denen er seine Standfestigkeit erhöht. Die schwertförmigen Blätter sind 90 – 150 cm lang und 5 – 7 cm breit. Die Blätter sind scharfkantig sowie am Rand mit Dornen bewehrt. Nun, da wir den ersten Gecko gefunden haben, fanden wir auf den weit im Wald verstreuten Schraubenbäumen immer mehr Tiere. Sie saßen meistens paarweise an einer Pflanze. Jungtiere konnten wir nicht finden. Die wunderschönen Männchen, der auch „Electric Blue Gecko“ genannten Art, fallen natürlich besonders auf. Die etwas unscheinbareren Weibchen sind metallisch grün gefärbt und fallen auf den dunkelgrünen Blättern nicht so auf. Die Tiere sind in den Vormittagsstunden bis ca. 10 Uhr sehr aktiv. Sie fressen kleinste Insekten aller Art. So bald es zu heiß wird ziehen sie sich in den Schatten der Blattachseln zurück, in denen die Weibchen auch ihre Eier ablegen. Ich denke wir waren die Ersten, die diese „Juwelen“ in ihrem natürlichen Lebensraum filmen und ihre Lebensweise dokumentieren konnten.

Die heiße Mittagszeit verbrachten wir , genau wie die Geckos, im Schatten. Gegen 15.00 Uhr brachen wir zu einer weiteren Exkursion auf. Durch einen Bach liefen wir ca. 3 – 4 Kilometer bergauf und erreichten eine freie Fläche mit einem herrlichen Blick auf das Uluguru-Gebirge. Hier oben befand sich eine kleine Kokosnuss-Plantage. Palmen sind immer interessant, weil sie vielen Reptilien Unterschlupf gewähren. Und tatsächlich sah ich hoch oben auf einem Palmenblatt einen Gelbkopf-Taggecko. Auf einer anderen Palme sahen wir plötzlich einen anderen Taggecko, der aber völlig anders aussah. Wir waren uns ziemlich sicher, dass wir eine neue Lygodactylus-Art entdeckt hatten. Begeistert machten wir uns auf den Rückweg. Am Bach zog ich mal eben meinen Kescher durch das Wasser und fing viele kleine Garnelen und einen ca. 4 cm langen Wels. Auf dem Rückweg begrüßte uns, hoch in den Bäumen ,eine Gruppe der schönen schwarz-weißen Colobus-Affen. Zurück im Camp nahmen wir uns vor, in der Nacht noch mal den gleichen Weg zu laufen.

Das taten wir dann auch und waren sehr erfolgreich. Wir fanden insgesamt 8 Zwergchamäeleons (Rhampholeon brevicaudata), die erstaunlicherweise meisten paarweise auf einem Ast saßen. Am Bach flüchteten viele kleine Frösche, die noch bestimmt werden müssen. Auch viele Insekten z. B. Schnurfüsser waren im Dunkeln unterwegs. Auf dem Rückweg leuchteten uns, hoch in einem Baum, die großen Augen eines Buschbaby-Paares entgegen.

Am nächsten Tag standen wir wieder früh auf um die nächste Etappe unserer Expedition in Angriff zu nehmen.

Gefahr durch verletzte Löwin
Die 2. Etappe unserer Expedition führte in die Savanne des Mikumi-Nationalparks. Hier waren die Reptilien weit aus spärlicher vertreten. Interessant war die Beobachtung eines kleinen Taggeckos (Lygodactylus picturatus), der ein paar Millimeter vom Hinterteil einer Baumwanze entfernt darauf wartete, dass dieses Insekt einen Tropfen einer süßen Flüssigkeit ausscheidet, die dann von ihm aufgeleckt wurde. Außer den Taggeckos waren hier nur Skinke (Mabuya vittata), Nachtgeckos (Hemidactylus spec.) und Insekten wie die großen Panzergrillen und Schnurfüsser zu finden. Dafür konnten wir jede Menge Großwild beobachten. Als wir an einem Tag von einer Fahrt durch die Savanne wiederkamen, erwartete uns eine Überraschung. Eine abgemagerte Löwin, die vermutlich bei einem Kampf oder durch eine Falle einen Unterschenkel verloren hatte, versuchte in unsere Unterkunft einzudringen. Da sie nicht mehr in der Lage war selber zu jagen, war sie natürlich eine Gefahr für uns. Wir hatten Mühe, sie mit Hilfe der Massai aus dem Camp zu verjagen. In der nächsten Nacht wurden wir von scharfen, hustenden Geräuschen geweckt. Mit unseren Taschenlampen leuchteten wir aus dem Fenster in die Richtung aus der die Geräusche kamen und sahen in die reflektierenden Augen einer kleinen Herde Impalas. Nachdem wir zuerst glaubten, sie schauten uns an, mussten wir uns eines Besseren belehren lassen, denn die Warnrufe galten dem Leoparden, der mitten auf unserer Terrasse saß. Bevor wir die Kameras bereit hatte, war er in der Dunkelheit verschwunden. Diese beiden Ereignisse machten mich etwas nachdenklich, da ich die Angewohnheit habe in der Dunkelheit nach Reptilien, Amphibien und Insekten zu suchen.

Exo Terra Expedition findet erneut neue Chamäleon- Art
Die 3. Etappe waren die von Mikumi 540 Kilometer entfernten Poroto Mountains. Diese Berge sind vulkanischen Ursprungs und liegen ca. 100 Kilometer entfernt vom Malawi-See. Am Fuße dieser ca. 2000 Meter hohen Berge wollten wir unser Camp errichten. Die nur mit Mühe zu bewältigende Piste führte uns durch einen regelrechten Nebelwald, dessen Bäume mit Moosen und Flechten überzogen waren. Als wir eine Lichtung erreichten und die Zelte aufbauen wollten fielen plötzlich Tausende von Stechfliegen über uns her. Die Temperatur lag hier gegen Mittag bei 22° Celsius. Es gab hier viele seltene Orchideen und wilde Bananen, deren riesige Blüten blutrot leuchteten. Ein steiler Pfad führte uns durch dichten Regenwald zum 2.200 Meter hoch gelegenen Ngozi-Kratersee, in dem den Einheimischen zufolge ein riesiges Monster hausen sollte. Das erste Reptil, das wir fanden war ein kleines endemisches Zwerchamäleon (Rhampholeon nchisiensis). Diese kleinen Chamäleons sind perfekt darin, ein abgefallenes Laubblatt zu imitieren und es ist sehr schwer sie überhaupt erst einmal zu sehen. Sie halten sich im unteren Bereich des Regenwaldes auf und ernähren sich von kleinsten Insekten. Zurück im Camp fing es an zu regnen und die Temperatur sank auf 19° Celsius bei 90% Luftfeuchtigkeit. In der Umgebung des Camps fanden wir endlich ein Paar des Ukinga-Chamäleons (Chamäleo incornutus). Diese hornlosen Chamäleons werden etwa 18 cm groß und sind in der Lage ihre Ohrlappen abzuklappen. Es ist sehr wenig über diese Art bekannt und wir waren sehr glücklich, dass wir sie gefunden hatten. Die Nacht war sehr ungemütlich. Die Temperatur betrug um 6.00 Uhr 9,2° Celsius bei 92% Luchtfeuchtigkeit. Nach einer weiteren mehrstündigen Kletterei fanden wir endlich das Poroto-Dreihornchamäleon (Chamäleo fuelleborni). Diese Art wird ca. 22 cm lang. Während die männlichen Tiere 3 Hörner besitzen, tragen die Weibchen nur ein einzelnes Schnauzenhorn. Die Begeisterung kannte keine Grenzen, als ein Teammitglied freudestrahlend ein ca. 12 – 15 cm langen völlig unbekannten Chamäleon brachte. Die weitere Suche ergab noch einen großen, schön gefärbten Baumsteigerfrosch (Leptopelis vermiculatus). Bei der nächtlichen Exkursion fanden wir noch mehrere Zwerchamäleons. Interessant war der Fund eines Baby-Zwerchamäleons, das gekrümmt wie ein kleiner Wurm in 1,5 Höhe unter einem Blatt saß.

Da der Malawi-See nur 100 Kilometer entfernt lag, entschlossen wir uns einen Abstecher zu machen. Dies misslang beinahe, weil unser Fahrer beim Versuch durch einen Graben zu fahren, fast unser Fahrzeug umkippte. Nach dem wir den Wagen mit Hilfe einiger Eingeborener wieder flott gemacht hatten erreichten wir endlich den See. Er erschien uns riesig. Es gab einen wunderschönen Sandstrand und wir fühlten uns wie an einer Meeresküste. Meinen Plan, hier ein paar Cichliden mit dem Handkescher zu fangen musste ich schnell wieder aufgeben. Da wir außer einem kleinen Skink keine weiteren Reptilien finden konnten, nutzten wir die Zeit, um uns im 28 ° Celsius warmen Wasser zu erfrischen. Da es in den uns umgebenden Livingstone-Mountains anfing zu blitzen und zu donnern, machten wir uns auf den Rückweg nach Tukuyu, wo wir die Nacht in einem kleinen Hotel verbrachten, um am folgenden Tag die nächste Etappe in Angriff zu nehmen.

Die trockene Savanne des Ruaha-Nationalparks

In die trockene Savanne des Ruaha-Nationalparks
Die 4. Etappe führte uns in den im Westen Tansanias gelegenen Ruaha-Nationalpark. Er ist der größte Nationalpark Tansanias. Diese raue und wilde Schönheit am Great Ruaha River zieht weitaus weniger Besucher an als die nördlichen Parks. Den südlicheren Teil, den wir besuchten, liegt in einem durchschnittlich 900 Meter hohen Zweig des Ruaha Rift Valley. Die Grabenbruchstufe hinunter fallen große Bachläufe – vor allem in den Regenmonaten - , die sich in Tausenden von Jahren ihre Bahnen in das Gestein geschliffen haben. In diesem sehr trockenen Gebiet fallen selten mehr als 500 Millimeter Niederschlag im Jahr. Nach einer 11 Stunden dauernden Fahrt auf schlechten Straßen und staubigen, holperigen Pisten, erreichten wir das Tandala Camp, das aus mehreren großen Zelten besteht, die auf hohen Plattformen stehen. Eine große Elefantenherde hielt sich nur ca. 50 Meter vom Camp entfernt an einem Wasserloch auf. Es wurde bereits dunkel und das erste für uns interessante Tier war eine Rote Kröte (Schismaderma carens), die uns fast über die Füße hüpfte. Diese ungewöhnliche Kröte hat eine viel glattere Hautstruktur als andere Kröten und kann bis 10 cm groß werden. Nach Einbruch der Dunkelheit kamen noch viel mehr Tiere zum Vorschein. Das Camp war Lebensraum für viele Geckos (Hemidactylus spec.), kleine Laubfrösche (Chiromantis xerampelina) und große Grillen. In der Toilette fanden wir Fledermäuse und unter den offenen Dächern machten sich Flughunde zu ihren nächtlichen Flügen bereit. Am nächsten Morgen gestaltete es sich ein bisschen schwierig, den Frühstückstisch zu erreichen. Einige Mitglieder der Expedition konnten ihr Zelt nicht verlassen, weil ein Löwenrudel davor rastete. Außerdem befand sich eine Elefantengruppe mitten im Camp, die erst von den Massai-Wächtern verjagt werden musste. Wir mussten weiter um die mitten im Park gelegene Ruaha River Lodge zu erreichen. Hier wollten wir 2 Tage verbringen. Neben den extrem vielen Löwenrudeln machte es eine große Elefantenpopulation schwierig und gefährlich, die niedrigen Büsche und das Dickicht nach Reptilien abzusuchen. Einmal geriet ich beim Fotografieren eines Krokodils in Gefahr, weil ich eine Elefantenherde nicht bemerkte, die sich in meinem Rücken angenähert hatte und mir beinahe den Rückweg abschnitt. Die Leitkuh rannte schon auf mich los, da warnte mich Guy durch einen lauten Ruf. Überall auf den Felsen saßen herrlich gefärbte Agamen-Männchen (Agama lionotus dodomae) inmitten einer großen Anzahl an unscheinbaren Weibchen. Auch der Regenbogen-Skink (Trachylepis margaritifera) war zahlreich vertreten. Ein Lappenchamäleon (Chamäleon dilepis dilepis) lief uns über den Weg. Die Grundfarbe dieser Chamäleon-Art ist in der Regel Grün, aber die Tiere können auch andere Farben wie Gelb, Schwarz, Orange oder Braun haben. Ein in dieser Region seltener zu findendes Reptil ist die Panther-Schildkröte (Psammobates pardalis pardalis). Neben den Löwen und Elefanten drängten sich jetzt in der Trockenzeit viel Großwild wie Impalas, Kudus, Wasserböcke, Giraffen an den wenigen Wasserstellen zusammen. In den wenigen Pfützen versammelten sich außerdem Krokodile und Flusspferde.